
Wer frisch verletzt aus der Ambulanz kommt, hat meistens keinen „richtigen“ Gips, sondern eine Gipsschiene (auch Longuette genannt): eine halbschalige Schiene, die mit einer elastischen Binde am Arm oder Bein fixiert wird. Das ist kein Sparprogramm, sondern hat einen guten medizinischen Grund.
Warum zuerst eine Schiene und kein geschlossener Gips?
In den ersten Tagen nach einem Bruch schwillt das Gewebe an. Ein geschlossener, zirkulärer Gips kann dann zur Falle werden: Er gibt nicht nach, die Schwellung drückt nach innen, im schlimmsten Fall werden Durchblutung und Nerven abgedrückt. Die Gipsschiene deckt deshalb nur einen Teil des Umfangs ab – die elastische Binde gibt der Schwellung Raum.
Der typische Ablauf:
- Tag 0: Frischer Bruch → Gipsschiene + Hochlagern.
- Nach ca. 5–10 Tagen: Schwellung ist zurückgegangen → Umstieg auf einen zirkulären Gips (Weißgips, Kunststoffgips oder wasserfester Schwimmgips).
- Bis zur Ausheilung: Der zirkuläre Gips bleibt, je nach Bruch 3–8 Wochen.
Bei manchen Verletzungen – stabilen Brüchen, Verstauchungen, Sehnenreizungen – bleibt es auch komplett bei der Schiene.
Die häufigsten Gipsschienen im Überblick
- Gipsschiene am Handgelenk: Die häufigste überhaupt – bei Speichenbrüchen (Radiusfraktur), Verstauchungen und Kahnbein-Verdacht.
- Gipsschiene am Unterarm/Arm: Bei Unterarmbrüchen; bei Ellbogenbeteiligung reicht sie über den Ellbogen (Oberarmschiene).
- Fingerschienen: Oft aus Aluminium oder als kleine Fingergips-Varianten.
- Unterschenkelschiene: Bei Sprunggelenksbrüchen und schweren Bänderrissen, mehr zum Gips am Fuß hier.
Materialseitig gibt es die klassische Weißgips-Longuette und moderne Kunststoff-Schienen (Softcast/Fibercast) – Letztere sind leichter, aber genauso wenig fürs Wasser gemacht: Die Polsterung darunter saugt sich voll und muss trocken bleiben.
Der Schwachpunkt jeder Gipsschiene: Wasser und Alltag
Eine Gipsschiene mit elastischer Binde ist noch wasserempfindlicher als ein geschlossener Gips: Binde, Polster und Gipsschale saugen sich beim Duschen voll und trocknen schlecht. Es gilt dasselbe wie beim Vollgips – Plastiksackerl-Akrobatik oder Duschhüllen mit allen ihren Grenzen.
Die interessante Frage kommt beim Umstieg: Wenn nach der ersten Woche ohnehin von der Schiene auf einen zirkulären Gips gewechselt wird, ist das der perfekte Moment, statt des Standard-Gipses einen wasserfesten Schwimmgips anlegen zu lassen. Gleicher Termin, gleicher Aufwand – aber danach sind Duschen, Baden und Schwimmen für den Rest der Gipszeit erlaubt.
Schienenwechsel steht an? Das Schwimmgips-Set gibt es im Online-Shop für Arm, Bein, Daumen und Finger – angelegt in der Ordination in Wien oder von deinem Arzt beim ohnehin geplanten Gipswechsel.
Häufige Fragen zur Gipsschiene
Darf ich die Gipsschiene abnehmen? Nur wenn es ausdrücklich erlaubt wurde (z. B. bei manchen Verstauchungen zur Hautpflege). Bei Brüchen gilt: Die Schiene bleibt dran – jede unkontrollierte Bewegung kann den Bruch verschieben.
Die Schiene drückt oder die Finger kribbeln – was tun? Nicht aushalten, sondern kontrollieren lassen! Druckstellen, Kribbeln, Taubheit oder blaue Finger sind Warnzeichen, dass die Binde oder Schiene zu eng sitzt – das gehört noch am selben Tag ärztlich überprüft.
Kann man mit einer Gipsschiene duschen? Nur mit zuverlässigem Wasserschutz und dem Arm außerhalb des Wasserstrahls – realistisch ist es die unangenehmste Zeit der ganzen Behandlung. Umso mehr lohnt es sich, den nachfolgenden zirkulären Gips gleich wasserfest zu wählen.
Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob Schiene oder zirkulärer Gips – die Versorgung entscheidet der behandelnde Arzt anhand deiner Verletzung.

Medizinisch geprüft von
OA Dr. Georg C. Bézard
Facharzt für Orthopädie & Traumatologie in Wien. Ausgebildet an der traditionsreichen Gipsschule des Unfallkrankenhauses Lorenz Böhler, gipst seit 2008 – und bietet seit 2016 den wasserfesten Schwimmgips an, den er bei jedem Patienten persönlich anlegt.



