Fingergips: Wann er nötig ist, wie lange er bleibt – und wie du damit duschen und schwimmen kannst

OA Dr. Georg C. Bézard

OA Dr. Georg C. Bézard

Facharzt für Orthopädie & Traumatologie · 23. Juli 2026

Wasserfester Gips wird unter fließendem Wasser abgespült

Zugeschlagene Autotür, Ball auf den Finger, Sturz beim Sport – Fingerbrüche gehören zu den häufigsten Knochenbrüchen überhaupt. Und obwohl der Finger klein ist, sind die Fragen groß: Braucht das wirklich einen Gips? Wie lange? Und wie soll ich damit arbeiten, duschen, leben?

Gebrochen oder „nur“ verstaucht?

Die Klassiker-Frage – und ohne Röntgen nicht seriös zu beantworten. Warnzeichen, die für einen Bruch sprechen:

  • Fehlstellung: Der Finger steht schief oder verdreht.
  • Rasche, kräftige Schwellung mit Bluterguss.
  • Druckschmerz direkt am Knochen, nicht nur am Gelenk.
  • Der Finger lässt sich kaum aktiv strecken oder beugen.

Wichtig: Auch ein gebrochener Finger lässt sich oft noch bewegen – „ich kann ihn ja bewegen, also ist er nicht gebrochen“ ist ein Mythos. Im Zweifel: röntgen lassen. Gerade bei Kindern lohnt der Arztbesuch doppelt, weil Wachstumsfugen betroffen sein können.

Schiene, Tape oder Fingergips – was kommt wann zum Einsatz?

Nicht jeder Fingerbruch braucht einen Gips. Die typische Versorgung, je nach Verletzung:

Verletzung Typische Versorgung Dauer
Verstauchung, Kapselverletzung Buddy-Taping (Nachbarfinger als Schiene) 1–3 Wochen
Unverschobener Fingerbruch Fingerschiene oder Fingergips 3–4 Wochen
Fingerkuppe / Endglied gebrochen Stack-Schiene oder kleiner Gips 4–6 Wochen
Daumenbruch, v. a. basisnah Daumengips (bis zum Unterarm) 4–6 Wochen
Kahnbeinbruch (Handwurzel, oft mit Daumen ruhiggestellt) Kahnbeingips 6–12 Wochen
Verschobener Bruch, Gelenkbeteiligung ggf. Operation + Schiene/Gips individuell

Der klassische Fingergips schließt meist die Nachbarfinger und einen Teil der Hand mit ein – nur so ist der gebrochene Finger wirklich ruhiggestellt. Beim Daumengips reicht die Ruhigstellung bis über das Handgelenk, weil der Daumen bei fast jeder Handbewegung mitarbeitet.

Wie lange dein Bruch tatsächlich ruhiggestellt wird, entscheidet der Arzt anhand von Bruchform und Röntgenkontrolle – einen Überblick über typische Tragezeiten aller Gipse findest du in unserem Artikel „Wie lange bleibt der Gips dran?“.

Der Alltag mit Fingergips: kleiner Gips, große Wirkung

Die schlechte Nachricht zuerst: Auch der kleinste Gips gilt im Alltag wie ein großer. Ein herkömmlicher Fingergips oder Daumengips darf nicht nass werden – Weißgips weicht auf, und unter feuchter Polsterung leidet die Haut. Das bedeutet wochenlang: Plastiksackerl beim Duschen, Vorsicht beim Händewaschen (!), kein Schwimmbad, kein Badeurlaub.

Gerade beim Fingergips ist das besonders lästig, weil die Hand ständig mit Wasser in Kontakt kommt – vom Geschirrspülen bis zum Händewaschen nach dem WC.

Die gute Nachricht: Den Fingergips gibt es auch wasserfest

Daumen- und Fingergipse gehören zu den Gipsen, die sich fast immer auf einen wasserfesten Schwimmgips umstellen lassen. Das Prinzip: Statt den Gips vor Wasser zu schützen, ist das Material selbst wasserfest – glasfaserfreier Kunststoffgips plus eine spezielle Polsterung, die Wasser ablaufen lässt und in 30–60 Minuten wieder trocknet.

Damit sind Händewaschen, Duschen, Baden und sogar Schwimmen ausdrücklich erlaubt – wie das genau funktioniert, liest du hier. Bei Kindern mit gebrochenem Finger ist das oft der Unterschied zwischen einem verlorenen und einem normalen Sommer.

Finger oder Daumen gebrochen? Das Schwimmgips-Set für Finger und Daumen ist die kleinste (und günstigste) Variante im Shop – angelegt in der Ordination in Wien oder von deinem Arzt vor Ort. Unsicher, ob dein Bruch geeignet ist? Schick uns Röntgenbild und Befund per E-Mail.

Häufige Fragen zum Fingergips

Wie lange bin ich mit einem gebrochenen Finger im Krankenstand? Das hängt vom Beruf ab: Büroarbeit geht oft nach wenigen Tagen wieder, bei körperlicher Arbeit können es mehrere Wochen sein. Entscheidend ist die ärztliche Einschätzung.

Muss ein schiefer Finger operiert werden? Nicht immer – viele verschobene Brüche lassen sich einrichten („reponieren“) und dann im Gips ausheilen. Bei Gelenkbeteiligung oder Drehfehlstellung ist aber häufig eine kleine Operation die bessere Wahl.

Was passiert, wenn ich den Bruch ignoriere? Schlecht verheilte Fingerbrüche können zu dauerhafter Steifheit, Drehfehlstellung („der Finger kreuzt beim Faustschluss“) und Arthrose führen. Ein kleiner Bruch ist keine Bagatelle.


Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob und wie ein gebrochener Finger ruhiggestellt werden muss, entscheidet die ärztliche Untersuchung im Einzelfall.

OA Dr. Georg C. Bézard

Medizinisch geprüft von

OA Dr. Georg C. Bézard

Facharzt für Orthopädie & Traumatologie in Wien. Ausgebildet an der traditionsreichen Gipsschule des Unfallkrankenhauses Lorenz Böhler, gipst seit 2008 – und bietet seit 2016 den wasserfesten Schwimmgips an, den er bei jedem Patienten persönlich anlegt.

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