Duschen mit Gips: Alle Möglichkeiten im Vergleich – vom Plastiksackerl bis zum Schwimmgips

OA Dr. Georg C. Bézard

OA Dr. Georg C. Bézard

Facharzt für Orthopädie & Traumatologie · 22. Mai 2026

Frau duscht entspannt mit wasserfestem Schwimmgips am Arm

„Und wie soll ich jetzt duschen?“ – das ist nach der Gipsabnahme-Frage die häufigste Frage überhaupt. Herkömmlicher Gips und Wasser vertragen sich nämlich gar nicht: Weißgips weicht auf und verliert seine Stabilität, und unter jedem nassen Gips drohen Hautprobleme. Hier sind alle Lösungen im ehrlichen Vergleich.

Option 1: Das Plastiksackerl (der Klassiker)

Müllsack über den Arm, oben mit Klebeband oder Gummiring abgedichtet, Arm aus der Dusche halten – so machen es die meisten.

Vorteile: Kostet fast nichts. Nachteile: Fast alles. Die Abdichtung hält selten wirklich dicht, ein verrutschtes Sackerl bedeutet einen nassen Gips, das Duschen wird zur Akrobatikeinlage – und Baden oder Schwimmen sind völlig ausgeschlossen. Bei Kindern, die nicht stillhalten, ist die Sackerl-Methode ein Glücksspiel.

Option 2: Wiederverwendbare Duschschutz-Hüllen

Im Sanitätshaus oder online gibt es Silikon- oder Kunststoff-Hüllen mit Dichtmanschette (ca. 15–40 €).

Vorteile: Dichter und bequemer als das Sackerl, wiederverwendbar. Nachteile: Auch hier gilt: Der Arm muss möglichst aus dem Wasserstrahl bleiben, die Manschette kann bei Bewegung Wasser durchlassen, und Untertauchen ist ausdrücklich nicht erlaubt – die Hüllen sind Spritzwasserschutz, kein Tauchschutz. Schwimmbad und Badeurlaub bleiben gestrichen.

Option 3: Gar nicht duschen (Katzenwäsche)

Waschlappen statt Dusche – die Realität vieler Gips-Wochen, gerade bei älteren Patienten.

Nachteile: Unangenehm für Körpergefühl und Umfeld, und der Gips beginnt nach Wochen zu riechen. Für Kinder im Sommer schlicht eine Zumutung.

Option 4: Der Schwimmgips – Wasser ausdrücklich erlaubt

Der grundlegend andere Ansatz: Statt den Gips vor Wasser zu schützen, wird der Gips selbst wasserfest gemacht. Der Schwimmgips besteht aus einem glasfaserfreien Polyester-Material und – das ist der eigentliche Trick – einer speziellen Polsterwatte, die Wasser ablaufen lässt und durch die Körperwärme wieder trocknet, in etwa 30 bis 60 Minuten.

Das bedeutet: Duschen ohne Sackerl, Baden in der Wanne, Schwimmen im Pool und sogar im Meer – das Material ist chlor- und salzwasserbeständig. Die Haut unter dem Gips bleibt sauber und trocknet zuverlässig ab; in acht Jahren Praxis gab es keinen einzigen Hautschaden. Und weil der Gips regelmäßig „gewaschen“ wird: kein Gestank.

Die ehrlichen Nachteile: Der Schwimmgips kostet mehr als ein Standardgips (im Spital bekommst du ihn deshalb in der Regel nicht), und nicht jeder Bruch eignet sich – bei komplexen Brüchen, die der Gips aktiv halten muss, bleibt der klassische Weißgips die richtige Wahl. Ob dein Bruch geeignet ist, klären wir vorab anhand von Röntgenbild und Befund. Einen Teil der Kosten bekommst du in Österreich übrigens oft von der Krankenkasse zurück; Unfall- und Zusatzversicherungen übernehmen häufig alles.

Der Vergleich auf einen Blick

Duschen Baden Schwimmen Meer/Chlor
Plastiksackerl ⚠️ riskant
Duschschutz-Hülle ✅ mit Vorsicht
Katzenwäsche
Schwimmgips

Was tun, wenn der Gips schon nass geworden ist?

Ein herkömmlicher Gips, der richtig nass wurde, ist ein Fall für den Arzt: Er verliert an Stabilität, und die feuchte Polsterung kann Hautschäden verursachen. Nicht föhnen und hoffen, sondern zeitnah kontrollieren und den Gips wechseln lassen – das ist übrigens ein guter Anlass, gleich auf einen wasserfesten Gips umzusteigen.

Nie wieder Plastiksackerl: Das Schwimmgips-Set gibt es im Online-Shop – angelegt wird es in der Ordination in Wien oder von deinem Arzt vor Ort.


Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob ein wasserfester Gips für deine Verletzung geeignet ist, muss im Einzelfall ärztlich beurteilt werden.

OA Dr. Georg C. Bézard

Medizinisch geprüft von

OA Dr. Georg C. Bézard

Facharzt für Orthopädie & Traumatologie in Wien. Ausgebildet an der traditionsreichen Gipsschule des Unfallkrankenhauses Lorenz Böhler, gipst seit 2008 – und bietet seit 2016 den wasserfesten Schwimmgips an, den er bei jedem Patienten persönlich anlegt.

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