Gips nass geworden – was tun? Erste Hilfe, Warnzeichen und die Lösung für nächstes Mal

OA Dr. Georg C. Bézard

OA Dr. Georg C. Bézard

Facharzt für Orthopädie & Traumatologie · 24. Juli 2026

Kind mit rotem wasserfestem Gips am Arm steht am Sprungbrett im Schwimmbad

Es passiert schneller, als man denkt: Regenguss, übermütige Kinder am Planschbecken, das Sackerl in der Dusche verrutscht – und plötzlich ist der Gips nass. Keine Panik: Mit den richtigen Schritten lässt sich oft Schlimmeres verhindern. Aber ein nasser Gips ist auch nichts, was man einfach aussitzen sollte.

Was passiert, wenn ein Gips nass wird?

Das hängt davon ab, welchen Gips du trägst:

  • Weißgips (klassischer Mineralgips): Er nimmt Wasser auf wie ein Zuckerwürfel. Der Gips wird weich, verliert seine Stabilität – und damit seine Schutzfunktion für den Bruch. Ein richtig durchnässter Weißgips ist praktisch immer ein Fall für einen Gipswechsel.
  • Kunststoffgips (Cast): Die harte Schale selbst verträgt Wasser. Das Problem sitzt darunter: Die Polsterwatte saugt sich voll und trocknet unter der Schale tagelang nicht – ein feuchtwarmes Klima direkt auf der Haut. Die Folge können Aufweichung der Haut, Juckreiz, Druckstellen und im schlimmsten Fall offene Stellen und Infektionen sein.
  • Schwimmgips: Der darf das. Wasser läuft durch die spezielle Polsterung einfach wieder ab, alles trocknet in 30–60 Minuten. Wenn du einen echten wasserfesten Gips trägst, ist „Gips nass geworden“ schlicht kein Ereignis.

Erste Hilfe: Das kannst du sofort tun

  1. Abtrocknen, was erreichbar ist – außen mit dem Handtuch, an den Rändern vorsichtig tupfen.
  2. Föhnen – aber nur auf kalter oder lauwarmer Stufe. Heiße Luft kann die Haut unter dem Gips verbrennen, ohne dass du es rechtzeitig spürst. Rechne mit 30–60 Minuten Geduld.
  3. Gips beobachten: Fühlt er sich nach ein paar Stunden noch klamm an? Riecht es muffig? Juckt oder brennt die Haut? Dann nicht länger warten.

Wann du zum Arzt musst

Spätestens bei einem dieser Warnzeichen gehört der Gips ärztlich kontrolliert (und meist gewechselt):

  • Der Gips ist weich geworden oder verformt (Weißgips).
  • Er ist innen richtig durchnässt – nicht nur ein paar Spritzer außen.
  • Es entwickelt sich ein muffiger Geruch.
  • Die Haut juckt, brennt oder schmerzt unter dem Gips.
  • Der Gips drückt oder scheuert plötzlich an neuen Stellen.

Ein aufgeweichter Gips hält den Bruch nicht mehr sicher – im schlimmsten Fall verrutscht der Bruch und heilt schief. Der Gipswechsel ist dagegen eine Sache von Minuten.

„Kann ich den Gips wasserdicht machen?“

Der Klassiker: Frischhaltefolie, Müllsack und Klebeband. Ehrlich gesagt: Das ist Spritzwasserschutz mit Glücksfaktor. Für eine kurze Dusche mit Arm-aus-dem-Wasserstrahl mag es reichen, aber jede dieser Lösungen kann verrutschen oder undicht werden – und Untertauchen, Baden oder Schwimmen sind damit ausgeschlossen. Auch gekaufte Duschhüllen sind ausdrücklich kein Tauchschutz. Den ehrlichen Vergleich aller Möglichkeiten findest du in unserem Artikel „Duschen mit Gips“.

Einen normalen Gips wirklich wasserdicht zu machen, ist schlicht nicht möglich – wasserdicht muss der Gips selbst sein.

Die Lösung für nächstes Mal: ein Gips, der nass werden darf

Der Schwimmgips dreht das Problem um: Statt Wasser vom Gips fernzuhalten, ist der Gips 100 % wasserfest – duschen, baden, schwimmen, sogar Meer und Schwimmbad sind ausdrücklich erlaubt. Das Foto oben ist übrigens echt: ein Patient von uns, am Sprungbrett, mit Gips.

Und falls dein nasser Gips ohnehin gerade gewechselt werden muss: Das ist der perfekte Moment umzusteigen. Die meisten Standardgipse – vom Fingergips bis zum Unterschenkelgips – lassen sich auf Schwimmgips umstellen.

Nie wieder föhnen: Das Schwimmgips-Set gibt es im Online-Shop mit Versand in ganz Europa – angelegt in der Ordination in Wien oder von deinem Arzt vor Ort.


Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob dein Gips nach Wasserkontakt gewechselt werden muss, beurteilt im Zweifel immer der Arzt.

OA Dr. Georg C. Bézard

Medizinisch geprüft von

OA Dr. Georg C. Bézard

Facharzt für Orthopädie & Traumatologie in Wien. Ausgebildet an der traditionsreichen Gipsschule des Unfallkrankenhauses Lorenz Böhler, gipst seit 2008 – und bietet seit 2016 den wasserfesten Schwimmgips an, den er bei jedem Patienten persönlich anlegt.

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