Gips-Arten im Überblick: Weißgips, Kunststoffgips, Schwimmgips & Hybridgips im Vergleich

OA Dr. Georg C. Bézard

OA Dr. Georg C. Bézard

Facharzt für Orthopädie & Traumatologie · 24. April 2026

Vergleich: wasserfester Schwimmgips schwimmt, herkömmlicher Gips schwimmt nicht

Seit über 150 Jahren werden Knochenbrüche eingegipst – aber die Zeiten, in denen „Gips“ automatisch „schwerer weißer Klotz“ bedeutete, sind vorbei. Hier sind die vier wichtigsten Gips-Arten im Vergleich, mit ihren ehrlichen Stärken und Schwächen.

1. Der klassische Weißgips (Mineralgips)

Der Klassiker aus Gipsbinden, die mit Wasser aktiviert werden und aushärten.

Stärken: Perfekt modellierbar – bei frischen, geschwollenen oder komplexen Brüchen, die der Gips aktiv in Position halten muss, ist der Weißgips bis heute unschlagbar. Deshalb ist er im Spital die erste Wahl direkt nach dem Unfall. Und: Er ist billig.

Schwächen: Schwer, klobig, bröselig – und absolut wasserempfindlich. Wird er nass, verliert er seine Stabilität und muss gewechselt werden.

Gut zu wissen: In Österreich hat der Weißgips Tradition – viele Spitäler verwenden ihn standardmäßig, auch wenn längst Alternativen möglich wären. Nach der ersten Woche, wenn die Schwellung weg ist, kann ein stabiler Bruch oft auf einen moderneren Gips umgestellt werden.

2. Der Kunststoffgips (Castverband)

Binden aus Kunststofffasern, die mit Harz aushärten – meist bunt, deutlich leichter und stabiler als Weißgips.

Stärken: Leicht, robust, röntgendurchlässig, in vielen Farben.

Schwächen: Der Gips selbst übersteht zwar Wasserkontakt – aber die Polsterung darunter nicht. Ein nasser Kunststoffgips bedeutet tagelang feuchte Watte auf der Haut: Geruch, Aufweichen der Haut, Hautschäden. Deshalb gilt auch hier: nicht nass machen. Viele Kunststoffgipse bestehen zudem aus Glasfasergewebe, das scharfe Kanten bilden kann – für Kinderhaut nicht ideal.

3. Der Schwimmgips – der wasserfeste Gips

Die konsequente Weiterentwicklung: ein glasfaserfreies Polyester-Material, das sich wie eine zweite Haut anformt und keine scharfen Kanten bildet – kombiniert mit einer speziellen Polsterwatte, die Wasser ablaufen lässt und in 30–60 Minuten am Körper trocknet.

Stärken: Duschen, Baden, Schwimmen – auch in Chlor- und Salzwasser – sind ausdrücklich erlaubt. Latex- und glasfaserfrei, daher auch für Allergiker und Kinder bestens geeignet. Die Haut bleibt sauber und trocken; Gips-Geruch entsteht gar nicht erst.

Schwächen: Er kostet mehr (etwa das Doppelte an Material) – der Hauptgrund, warum Spitäler ihn nicht anbieten. Und er eignet sich nicht für jeden Bruch: Komplexe Brüche, die der Gips aktiv halten muss, gehören in den Weißgips.

Für wen ideal: Stabile Brüche – allen voran Wulstbrüche und Wachstumsfugen-Verletzungen bei Kindern, aber auch die meisten Unterarm-, Unterschenkel- und Fingerbrüche bei Erwachsenen. In der Regel kann fast jeder bestehende Weiß- oder Kunststoffgips auf einen Schwimmgips umgestellt werden.

4. Der Hybridgips – die Spezialform

Eine Sonderform, die OA Dr. Bézard in der Ordination anwendet: Ein weiches Basismaterial wird gezielt mit härteren Gipsstreifen kombiniert. Das Ergebnis ist ein federartiges Konstrukt – komfortabel und elastisch, aber dort stabil, wo es stabil sein muss. Ideal, wenn volle Steifigkeit gar nicht nötig ist und Tragekomfort zählt.

Vergleichstabelle

Weißgips Kunststoffgips Schwimmgips Hybridgips
Gewicht schwer leicht leicht sehr leicht
Wasserfest ❌ (Polsterung!) ✅ komplett ✅ komplett
Für Kinder ⚠️ oft Glasfaser ✅ glasfaserfrei
Komplexe Brüche ✅ ideal ⚠️
Kosten €€ €€€ €€€

Welcher Gips ist der richtige für mich?

Die ehrliche Antwort: Das entscheidet der Bruch, nicht der Katalog. Direkt nach dem Unfall ist der Weißgips oft die richtige erste Wahl. Sobald der Bruch stabil ist, lohnt sich die Frage nach der Umstellung – gerade wenn Sommer, Urlaub oder wasserbegeisterte Kinder im Spiel sind.

Unsicher, was bei dir möglich ist? Schick uns Röntgenbild und Befund – OA Dr. Bézard beurteilt persönlich, ob dein Gips auf einen Schwimmgips umgestellt werden kann. Das Material gibt’s als Set im Online-Shop.


Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Wahl des richtigen Gipsverbands muss immer im Einzelfall ärztlich getroffen werden.

OA Dr. Georg C. Bézard

Medizinisch geprüft von

OA Dr. Georg C. Bézard

Facharzt für Orthopädie & Traumatologie in Wien. Ausgebildet an der traditionsreichen Gipsschule des Unfallkrankenhauses Lorenz Böhler, gipst seit 2008 – und bietet seit 2016 den wasserfesten Schwimmgips an, den er bei jedem Patienten persönlich anlegt.

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