Kind hat den Arm gebrochen – was tun? Der Ratgeber für Eltern

OA Dr. Georg C. Bézard

OA Dr. Georg C. Bézard

Facharzt für Orthopädie & Traumatologie · 5. Juni 2026

Kinder spielen im Schwimmbad – eines trägt einen wasserfesten Schwimmgips am Arm

Armbrüche gehören zu den häufigsten Verletzungen im Kindesalter – fast jedes zweite Kind bricht sich bis zum 16. Geburtstag einmal einen Knochen, am häufigsten trifft es den Unterarm nahe dem Handgelenk. Die gute Nachricht vorweg: Kinderknochen heilen schnell und fast immer folgenlos. Hier erfährst du, was im Ernstfall zu tun ist – Schritt für Schritt.

Woran erkenne ich, dass der Arm gebrochen ist?

Typische Anzeichen für einen Bruch beim Kind:

  • Schmerzen, die nicht nach wenigen Minuten nachlassen
  • Schwellung oder Bluterguss über der schmerzenden Stelle
  • Das Kind schont den Arm deutlich und will ihn nicht bewegen
  • Druckschmerz an einer bestimmten Stelle des Knochens
  • In eindeutigen Fällen: eine sichtbare Fehlstellung

Wichtig zu wissen: Gerade bei Kindern ist ein Bruch von außen oft nicht eindeutig erkennbar. Der häufige „Wulstbruch“ (mehr dazu in unserem Ratgeber zum Wulstbruch) sieht äußerlich oft harmlos aus – das Kind klagt „nur“ über Schmerzen. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel abklären lassen als einmal zu wenig.

Erste Hilfe: Das kannst du sofort tun

  1. Ruhe bewahren – deine Gelassenheit überträgt sich auf dein Kind.
  2. Arm ruhigstellen, so wie das Kind ihn von selbst hält. Ein Dreieckstuch oder ein zusammengelegter Pullover als Schlinge genügt.
  3. Kühlen – Kühlpack oder kaltes Tuch, nie direkt auf die Haut.
  4. Nichts essen und trinken lassen, bis ärztlich geklärt ist, ob eine Behandlung in Narkose nötig sein könnte.
  5. Ab zur Abklärung: Unfallambulanz, Kinderarzt oder Unfallchirurg – bei Fehlstellung, offener Wunde oder starken Schmerzen direkt ins Spital.

Was passiert im Spital?

Nach der Untersuchung wird meist ein Röntgenbild gemacht. Steht die Diagnose, gibt es drei typische Wege:

  • Einfacher, stabiler Bruch (der häufigste Fall): Ruhigstellung im Gips für einige Wochen – fertig.
  • Verschobener Bruch: Der Bruch wird eingerichtet (meist in Kurznarkose) und dann eingegipst.
  • Komplexer Bruch: Selten ist eine kleine Operation nötig.

Wie lange der Gips bleiben muss, hängt von Bruchart und Alter ab – als Faustregel heilen Kinderbrüche in 3 bis 6 Wochen. Details findest du in unserem Ratgeber „Wie lange muss ein Gips bleiben?“.

Die Gips-Frage: Warum du sie gleich am Anfang stellen solltest

Im Spital bekommt dein Kind standardmäßig einen Weißgips oder einfachen Kunststoffgips – und beide haben denselben Haken: Sie dürfen nicht nass werden. Das bedeutet wochenlang Duschen mit Plastiksackerl, kein Schwimmbad, kein Badeurlaub, kein Planschen.

Was viele Eltern (und auch manche Ärzte) nicht wissen: Es gibt eine wasserfeste Alternative – den Schwimmgips. Ein glasfaserfreier Spezialgips mit einer Polsterung, die Wasser ablaufen lässt und an der Luft trocknet. Damit darf dein Kind duschen, baden und sogar schwimmen – der Gips erfüllt dabei dieselbe medizinische Aufgabe wie ein herkömmlicher Gips.

Gerade die typischen Kinderbrüche – Wulstbrüche und Wachstumsfugen-Verletzungen – eignen sich sehr gut für eine Umstellung auf den Schwimmgips. Und die geht auch nachträglich: Der im Spital angelegte Gips wird dafür einfach gewechselt. Den Termin im Krankenhaus musst du dafür übrigens nicht extra absagen.

So läuft’s ab: Du schickst uns Röntgenbild und Befund über das Kontaktformular, OA Dr. Bézard prüft, ob ein Schwimmgips medizinisch möglich ist – und nach der Freigabe wird der Gips in der Ordination in Wien persönlich angelegt. Für die Behandlung zu Hause gibt es das Schwimmgips-Set im Online-Shop, das jeder Arzt anlegen kann.

Die häufigsten Eltern-Fragen in Kürze

Darf mein Kind mit Gips in die Schule? Ja, in der Regel schon nach wenigen Tagen – Sport und Pausenraufereien sind natürlich tabu.

Bleibt etwas zurück? Kinderknochen korrigieren leichte Fehlstellungen beim Wachsen oft von selbst – die allermeisten Brüche heilen vollständig aus.

Juckt der Gips? Unter herkömmlichem Gips häufig, weil die Haut nicht atmen kann. Der Schwimmgips ist hier im Vorteil: Durch das regelmäßige Duschen bleibt die Haut sauber – in acht Jahren gab es bei uns keinen einzigen Hautschaden.

Was, wenn der Sommer vor der Tür steht? Genau dafür wurde der Schwimmgips gemacht: Damit ein gebrochener Arm nicht auch noch die Ferien bricht.


Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei Verdacht auf einen Bruch lass dein Kind bitte immer ärztlich abklären.

OA Dr. Georg C. Bézard

Medizinisch geprüft von

OA Dr. Georg C. Bézard

Facharzt für Orthopädie & Traumatologie in Wien. Ausgebildet an der traditionsreichen Gipsschule des Unfallkrankenhauses Lorenz Böhler, gipst seit 2008 – und bietet seit 2016 den wasserfesten Schwimmgips an, den er bei jedem Patienten persönlich anlegt.

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